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Ob mit Umzugsunternehmen oder ohne: Umzüge kosten Geld. Dieses Geld ist aber nicht völlig verbrannt, es sind keine versunkenen Kosten. Denn ein Umzug kann steuerlich geltend gemacht werden, sodass sich am Ende die Kosten in Grenzen halten. Die meisten Vorteile hat, wer beruflich umzieht. Aber auch bei privaten Umzügen kann man Umzugskosten zurück erhalten.

Der berufsbedingte Umzug

Am eindeutigsten sind die Reglungen bei berufsbedingten Umzügen. Dabei heißt „berufsbedingt“ nicht unbedingt, dass es sich um eine Versetzung in eine andere Stadt oder einen Arbeitsplatzwechsel handeln muss. Wichtig ist lediglich, dass sich der Anfahrtsweg zur neuen oder aktuellen Arbeitsstelle um mindestens eine Stunde verkürzt. Auch die Aufnahme eines Studiums oder einer Ausbildung gilt bereits als berufsbedingt. Folgende Umzugsgründe werden also als berufsbedingt anerkannt:

Kravatte und Beruf

Am meisten Steuern können beim berufsbedingten Umzug abgesetzt werden

  • Ein Studium oder eine Ausbildung wird aufgenomen
  • Direkt nach einer Ausbildung oder einem Studium wird ein Wohnortwechsel vorgenommen
  • Der Anfahrtsweg zum aktuellen Arbeitsplatz wird um mindestens eine Stunde verkürzt
  • Eine neue Arbeit wird in einer anderen Stadt aufgenommen
  • Der Umzug erfolgt auf Anweisung eines Arbeitgebers (z.B. Bezug oder Auflösung von Dienstwohnungen)
  • Eine beruflich bedingte Zweitwohnung wird aus privaten Gründen aufgegeben und in eine Familienwohnung gezogen (z.B. bei einem familiären Pflegefall oder Heirat)

Kosten für beruflichen Umzug absetzen

In der Regel können drei Umzugskosten bei beruflichen Umzügen steuerlich geltend gemacht werden: Die Transportkosten, doppelte Haushaltsführung und indirekte Umzugsnebenkosten.

Transportkosten des Umzugs absetzen

Transportkosten beziehen sich sowohl auf die Mitkosten für angemietete Fahrzeuge als auch die Kosten einer engagierten Umzugsspedition. Hierzu können auch Informationen bei dem jeweiligen Umzugsunternehmen selbst eingeholt werden. Bei Umzügen ins Ausland werden die Kosten bis zur Grenze übernommen. Auch Umzugshelferkosten und Trinkgelder für Möbelspediteure werden bei Vorlage einer Quittung vom Finanzamt akzeptiert.
Dabei gilt als Basispauschale 0,30 € pro gefahrenen Kilometer. Bei Nut­zung eines eigenen Anhängers können weitere 0,06 € pro gefahrenen Kilometer ab­gesetzt werden

Doppelte Haushalsführung bei Umzügen

Kosten für doppelte Haushaltsführung können auch abgesetzt werden, sofern nachgewiesen wird, dass sie unvermeidbar waren. Dies kann der Fall sein, wenn sie durch eine unvorhergesehene Versetzung oder einen unvorhergesehen Arbeitsplatzwechsel Entstehen. Hierzu gehören auch Kündigung durch den alten Arbeitgeber und und Wiederaufnahme einer anderen Arbeit. Es muss nachgewiesen werden, dass die Kündigungsfrist des alten Mietvertrages zu lang ist um einen reibungslosen Übergang in die neue Wohnung zu gewährleisten. Sechs Monatsmieten der alten Wohnung und drei Monatsmieten der neuen Wohnung sind absetzbar.

Indirekte Umzugsnebenkosten

Kinder

Wenn durch einen Schulwechsel Nachhilfeunterricht nötig wird, können Kosten abgesetzt werden

Auch Kosten, die indirekt durch den Wohnortwechsel anfallen können abgesetzt werden. Hierzu können Maklergebühren und Fahrtkosten, die durch die Wohnungssuche entstehen, gezählt werden. Generell: Verpflegungsmehraufwand bei Umzugsfahrten sind auch einreichbar – selbstverständlich gegen Quittiung.
Ebenfalls die Neueinrichtung der Küche kann abgesetzt werden, mit Kosten für einen Kochherd bis zu 230 Euro sowie für Öfen bis zu 164 Euro. Und sollte durch einen Bundeslandwechsel und Bedarf auch Nachhilfe für die Kinder nötig sein: Kein Problem. Diese Kosten werden übernommen, sofern nachgewiesen werden kann, dass der Unterricht durch den Wohnungswechsel nötig geworden ist.

Kosten bei privaten Umzügen absetzen

Die Kosten bei einem Umzug, der nicht aus irgendwelchen Gründen als beruflich bezeichnet werden kann, steuerlich abzusetzen erfordert andere Maßnahmen. Schönheitsreparaturen an der Wohnung oder auch die Beauftragung eines Umzugunternehmens können beispielsweise als haushaltsnahen Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen abgesetzt werden. Das sind bis zu 20% der Ausgaben, maximal jedoch 4000 Euro im Jahr.

Es gibt auch weitere Ausnahmen, die sich auf den tatsächlichen Umzugsgrund beziehen. Muss beispielsweise wegen einer schweren Krankheit umgezogen werden, kann ein Teil der Umzugskosten als „außergewöhnliche Belastung“ geltende gemacht werden. Gleiches gilt für Umzüge wegen Hochwassers oder anderer Naturkatstrophen, die das Haus unbewohnbar machen.

Wann lohnt sich die Umzugskostenpauschale?

Eine Umzugskostenpauschale kann zusätzlich beantragt werden und lohnt sich dementsprechend immer. Das liegt daran, dass sie andere Bereiche abdeckt als die steuerlich absetzbaren Kosten. Sie ist für folgende Posten bestimmt:

zweitwohnung

Eine Zweitwohnung kann nötig werden, wenn es der Beruf fordert. Hier kann beim Umzug Geld gespart werden

  • Ändern von Vorhängen
  • fachgerechtes Anbringen von Lampen
  • Einbau von Küche und anderen elektrischen Geräten
  • Umschreiben des Personalausweises
  • Schönheitsreparaturen in der alten Wohnung
  • Ummelden des eigenen Autos
  • Änderung des Telefonanschlusses

Diese Posten können dementsprechend nicht oder nicht mehr von der Steuer in irgend einer Form abgesetzt werden, es sei denn sie sind unvermeidbar und übersteigen die Kostenpauschale. Für das Jahr 2018 gilt:

Einzelperson Ehen / eing. Partnerschaften sowie Alleinerziehende Zuschlag pro weitere Person im Haushalt
764 Euro 1528 Euro 337 Euro

Allerdings muss für einen erfolgreichen Antrag einer Umzugskostenpauschale der tatsächliche Lebensmittelpunkt verlagert werden. Das heißt bei einer Zweitwohnung oder anderen Formen neu entstehender doppelten Haushalsführung wird keine Umzugskostenpauschale gewährt.

Grauzonen

Transportschäden bei Umzügen

Wenn der Umzug mit einem privaten PKW vorgenommen wird, kann es zu Problemen kommen. Da insbesondere wenn doppelte Haushaltsführung besteht, die Fahrt nicht als Umzugsfahrt sondern als Familienheimfahrt eingestuft werden kann. Und Unfallkosten für Familienheimfahrten sind theoretisch mit der Entfernungspauschale nach §9 Abs.S.10 EKStG abgegolten, so die Argumentation mancher Finanzbeamter. Dies kann dafür sprechen auf jeden Fall ein Fahrzeug zu mieten oder ein  anstatt selber zu fahren.
Zwar kann man analog zum Reisekostengesetz und einem Urteil des BFH vom 30.11.1999 argumentieren, dass „Wertverluste auf Grund eines Schadens an mitgeführten Gegenständen, die der Arbeitnehmer auf seiner Reise verwenden musste, Reisenebenkosten sind (und damit abzugsfähig), wenn der Schaden auf der reisespezifischen Gefährdung beruht.“ Hier spielt allerdings der Grad der Fahrlässigkeit eine Rolle, als inwieweit der Schaden hätte vorhergesehen werden können oder müssen.